Orgelbau

Gedicht

Die Rächerin von Robert T. Odemann

Es wohnte eine Kirchenmaus so ganz allein im Gotteshaus,
denn ihre Eltern und Geschwister die fing mit Fallen sich der Küster.
Sie schlief betrübt im Klingelbeutel auf dem stand "es ist alles eitel"!
Hier sann sie über Rache nach, doch sie sah ein, sie war zu schwach.
Sie kannte zwar die Zehn Gebote, (denn schließlich war sie Kirchenmaus)
und ballt im Hass die kleine Pfote: "Ich räche mich, trotz Gotteshaus!"
Am nächsten Sonntag wie zum lohne fand sie in einer Kirchenbank
ein Stanniol so blitzeblank, und das war eine Kognakbohne!
Sie roch daran und knabberte, dann kam ein Saft! - sie schlabberte.
Potztausend, hat sie sich gewundert, und dann bekam sie Mut für hundert!
Die Kirche füllte sich nun bald, ein frommes Orgelspiel erschallt,
der droben spielt in vollem Zuge von Bach die große g-Moll-Fuge.
Da sprang das Mäuslein rauf zum Küster, just als er saß in Künstlerpose,
und sprach: "Jetzt ziehe ich Register" und biss ihm dreimal in die Hose.
Dann sprang das Luder auf die Tasten und fing an drauf herum zu hasten.
"Wer nur den lieben Gott lässt walten" spielt er und muss die Tasten halten.
Doch Mäuslein mit dem langen Schwänzchen improvisiert dazu Kadenzchen.
Es trillert mit dem hohen fis und sprang nach as und b und cis
und biss dem Küster in die Pfoten. Der spielte bereits gottverboten.
Das Mäuslein feixte:" na mein Schatz, das klingt schon akkurat wie Jazz!
Das wird besonders fromm empfunden!" Rutscht ein Glissando, ist
verschwunden.
Und als der Gottesdienst vorüber, da rief der Pastor "Blasphemie,
das hat ein Nachspiel noch, mein Lieber, sie sind besoffen, gehen Sie!"
So rächte Eltern und Geschwister das Kirchenmäuslein an dem Küster.